Laß ihn gehen

So aber der Ungläubige sich scheidet, so laß ihn scheiden.
Es ist der Bruder oder die Schwester nicht gefangen in solchen Fällen:
im Frieden aber hat uns Gott berufen.
1. Korinther 7:15

Ich wollte diesen Artikel „Hilfe! Mein Mann (oder meine Frau) verläßt mich“ nennen, aber ich dachte, „laß ihn gehen“ würde den Fokus mehr auf die biblischen Grundsätze lenken, die ich teilen möchte.

Als mein Ehepartner sich für eine Scheidung entschied, wünschte ich mir, ich hätte einige klare biblische Grundsätze gehabt, was ich tun sollte. Natürlich wußte ich zu jenem Zeitpunkt meines christlichen Weges nur eines zu tun: zu Gott um Hilfe zu schreien. Aber ich verbrachte auch viel Zeit damit, Bücher über Scheidung zu lesen. Es schien, als gäbe jedes Buch einen anderen Rat, und die meisten Bücher schienen nicht sehr hilfreich zu sein. Ich hoffe, in diesem Artikel einigen einfachen biblischen Rat zu teilen, den ich während des Scheidungsprozesses gelernt habe. Im Grunde: müßte ich noch einmal durch eine Scheidung gehen, wären dies die Dinge, die ich tun würde. Wie bei allen Artikeln dieser Website bete ich nur, daß du „bedenkst, was ich sage, und der HERR dir in allen Dingen Verstand gebe“ (2. Timotheus 2:7).

Grundsatz Nr. 1: „So aber der Ungläubige sich scheidet, so laß ihn scheiden…“

Wenn dein Ehepartner deine Ehe verlassen möchte, sagt der Apostel Paulus „so laß ihn scheiden“. Das heißt, wir sollten nicht dagegen kämpfen; wir müssen „dem nachstreben, was zum Frieden dient“ (Römer 14:19, Hebräer 12:14). In meinem Fall mußte ich also an den Punkt kommen, sagen zu können: „wenn du gehen willst, dann geh bitte“. Ein Mensch kann eine Beziehung niemals allein zusammenhalten, und es zu versuchen ist vergeblich. Liebe ist freiwillig, genau wie Jesus uns nicht zwingt, ihm zu vertrauen. Er segnete mich sogar weiterhin, als ich ihm zuwider wandelte. Bitte bedenke: „die Liebe verträgt alles, glaubet alles, hoffet alles, duldet alles“ (1. Korinther 13:7). Du mußt deinen Ehepartner vorbehaltlos dem HERRN übergeben; leg ihn/sie auf den Altar. Die Schrift sagt, „Alle Sorge werfet auf ihn; denn er sorgt für euch.“ 1. Petrus 5:7.

Grundsatz Nr. 2: „laß ihm auch den Mantel“

Das war für mich ein sehr schwieriger Grundsatz. Da mein Ehepartner ging, dachte ich, es sei nur fair, wenigstens die Hälfte unseres Besitzes zu bekommen…ich meine, ich zog ohnehin schon den Kürzeren, da sollte doch etwas Trost drin sein, oder? Aber was sagt die Schrift?

Ich aber sage euch, daß ihr nicht widerstreben sollt dem Übel:
sondern, so dir jemand einen Streich gibt auf deinen rechten Backen,
turn zu ihm den andern auch dar.
Und so jemand mit dir rechten will,
und deinen Rock nehmen,
laß ihm auch den Mantel.
Matthäus 5:39-40

Nachdem ich also mit meinem Ehepartner um eine gerechte Teilung gerungen hatte, entschied ich mich statt dessen, ihr einfach alles zu geben. Unser Ziel sollte immer sein, „das Böse mit Gutem zu überwinden“ (Römer 12:21), „denn damit wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln“ (Römer 12:20). Oh, wie gut sich das anfühlte…einfach loszulassen. Es ist Zeit für ein neues Leben, zwischen dir und Jesus. Keiner dieser Besitztümer wird dich ohnehin glücklich machen; sie werden nur schlechte Erinnerungen zurückbringen.

Grundsatz Nr. 3: „Verklagt nicht die Brüder“

Darf jemand unter euch,
so er einen Handel hat mit einem andern,
hadern vor den Ungerechten,
und nicht vor den Heiligen?
1. Korinther 6:1

Ich bin sicher, viele Menschen wären mit mir in diesem Punkt nicht einverstanden, aber es ist nicht mein Gebot, das ich gebe, sondern das des HERRN (1. Korinther 14:37). Wenn dein Ehepartner ein Gläubiger ist, sollen diese Angelegenheiten von den Ältesten der Gemeinde behandelt werden, nicht von Anwälten außerhalb der Gemeinde. Es wird dir viele Probleme ersparen, deinem Ehepartner zu überlassen, was er/sie will, und ihn/sie gehen zu lassen. In meinem Fall hatte ich bereits mit einem Anwalt begonnen, als ich von einem Ältesten in dieser Sache beraten wurde. Zu jenem Zeitpunkt sagte ich meinem Anwalt, daß ich der Scheidung nicht zustimmen würde, und ich vereinbarte, daß ein Ältester mit meiner Frau spräche. Obwohl die Schrift zwar sagt „laß ihn scheiden“, sagt sie auch „der Mensch scheide nicht, was Gott zusammengefügt hat“ (Matthäus 19:6). Praktisch bedeutet dies, daß wir sie gehen lassen sollen, um den Frieden zu wahren, aber ich kann nicht glauben, daß wir freiwillig einer Scheidung zustimmen sollen. Wenn sie eine Scheidung wollen, können sie sie nach staatlichem Recht bekommen, aber nicht mit meinem Segen. Ich ließ ausdrücklich in das Scheidungsverfahren aufnehmen, daß ich gegen die Scheidung war und ihr nicht zustimmen würde. Das bedeutete, daß mein Ehepartner im Grunde eine Scheidung ohne Verschulden beantragen konnte, was mir keine rechtliche Möglichkeit ließ. Doch „wir wandeln im Glauben, und nicht im Schauen“ (2. Korinther 5:7). Das heißt, wir müssen unsere Entscheidungen darauf gründen, was Gott durch sein Wort von uns will, nicht darauf, was wir aufgrund unserer Umstände für die beste Handlung halten.

Grundsatz Nr. 4: „Seid dankbar in allen Dingen“

Seid dankbar in allen Dingen:
denn das ist der Wille Gottes in Christo Jesu an euch.
1. Thessalonicher 5:18
So laßt uns nun opfern durch ihn das Lobopfer Gott allezeit,
das ist die Frucht der Lippen,
die seinen Namen bekennen.
Hebräer 13:15

Aber du fragst: „Wie kann ich in dieser schrecklichen Situation dankbar sein?“. Ich kann nur sagen, daß diese Situation vom HERRN kommt. Es ist sein Wille, daß wir um seinetwillen leiden:

Denn euch ist gegeben, um Christi willen zu tun,
daß ihr nicht allein an ihn glaubet,
sondern auch um seinetwillen leidet;
Philipper 1:29

Ist das nicht die Botschaft des Buches Hiob? Die Gerechten leiden, aber warum? Sind wir nicht zu seiner Ehre geschaffen (Jesaja 43:7)? Er läßt seine Kinder leiden, damit unser Glaube geprüft und geläutert werde:

In derselben werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit,
wo es sein soll, traurig seid
in mancherlei Anfechtungen:
auf daß euer Glaube rechtschaffen und viel köstlicher erfunden werde denn das vergängliche Gold,
das durchs Feuer bewährt wird, zu Lob, Preis und Ehre,
wenn nun offenbart wird Jesus Christus:
1. Petrus 1:6-7
Derselbe Geist gibt Zeugnis unserem Geist, daß wir Kinder Gottes sind.
Sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben,
nämlich Gottes Erben und Miterben Christi,
so wir anders mit leiden,
auf daß wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden.
Denn ich halte es dafür, daß dieser Zeit Leiden der Herrlichkeit nicht wert sei,
die an uns soll offenbart werden.
Römer 8:16-18

Lieber Leser, weiß der HERR nicht, was du brauchst? Die Schrift sagt „wo es sein soll, seid ihr traurig“. Wenn du jetzt traurig bist, dann deshalb, weil es nötig ist, deinen Glauben zu läutern. Und können wir nicht dankbar sein, daß er an uns Chirurgie vollzieht, um die sündigen, fleischlichen Dinge aus unserem Leben auszureissen? Wir müssen dankbar sein, es ist das, worum er uns gebeten hat. Wir sind zu seiner Ehre geschaffen.

Sollten wir Gutes empfangen von Gott,
und sollten das Böse nicht auch annehmen?
Hiob 2:10

Wenn du gerade eine Scheidung durchmachst, hoffe und bete ich, daß du das Gute inmitten des Bösen sehen wirst. Ich hoffe, daß du, wie ich gelernt habe zu sagen, sagen kannst, daß meine Scheidung das Beste war, was mir je passiert ist. Es war der Weg, der mich zu Christus führte.